Museumsnacht 2011
Bei Otto Dix auf der Couch zur 13. Geraer Museumsnacht
Im knallengen roten Kleid waren Nackttänzerin Anita Berber und die kühle Journalistin Sylvia von Harden Dix-Bildern der 1920er Jahre sehr lebendig entstiegen und der Meister höchst selbst zugegen bei der Eröffnung der 13. Geraer Museumsnacht.
Als Hommage an den großen Künstlersohn Geras und seinen 120. Geburtstag am 2. Dezember startete die museale Nacht vor Dix Geburtshaus auf dem Mohrenplatz. OB Dr. Norbert Vornehm (SPD) fragte dessen Double vor der Menschenmenge, wie er sich denn in Gera fühle. Ganz in Dixscher Manier antwortete der Gefragte knapp: "Ich hoffe, dass mein Jahr so gut weiter läuft!"Doch dem tröpfelte der OB etwas Wermut hinzu, indem er bedauerte, "dass man in Gera gerne Gegensätze zur Kultur aufbaue, nach den Schulen sei es nun die Wirtschaft als im Moment Dringlicheres". Dabei könne das eine ohne das andere nicht funktionieren.
Die Geraer jedenfalls bewiesen, dass sie keine Kulturmuffel sind. In Scharen nahmen sie mit munteren Kindern im Schlepptau die aufregenden Angebote in Museen und Kirchen, aber auch in der M1-Kunstzone, im Amthordurchgang, im Kunsthaus in spé, im Kunstverein und von anderen engagierten Partnern an. "Ich kam extra mit dem Fahrrad, um alles zu schaffen", ging "die echte Gersche Fettgusche", die 62-jährige Hannelore Veit die Nacht im Dix-Haus planvoll an. "Ich bin zum ersten Mal hier und staune, was für ein Künstler er war." Viele standen nicht nur für die Sonderführungen an, sondern auch, um einmal bei oder mit Dix auf der Couch zu sitzen und sich von Fotograf Frank Rüdiger ablichten zu lassen. So wie die achtjährige Anna Chiara von der Otto-Dix-Grundschule. Ihr Fotowunsch war sehr pragmatisch: "Ich brauche ein Deckblatt für meinen Kunsthefter!"
Voller Leben und hell erleuchtet die benachbarte Orangerie. Drinnen ging es um Mensch und Tier, Expressionismus und Neue Sachlichkeit. Bodypainter Mirko Gerwenat verwandelte Model Anne in ein Zebra. In der lauen Spätsommernacht tauchte neben den schneeweißen Kakadus der Lips Show plötzlich Ernst Schunke, der Zeichenlehrer von Otto Dix zur Führung auf ein gut kostümierter Gästeführer. Das Trio "En Passant" musizierte, die Fontaine rauschte im Küchengarten und Kontrabassist Andreas Rücker kommentierte: "Heute ist es in Gera einfach nur schön!"
Luft anhalten hieß es im Stadtmuseum. Ob bei Restauratorin Monika Schulze, die hoffnungslose Scherben geschickt wieder zusammenfügte, oder bei "Gera en miniature" es war fast kein Durchkommen mehr ob des Besucherstromes. Axel Rau vom Theater sagte dem Schöpfer der Geraer Miniwelt, Dieter Große, anerkennend: "Schön, wenn Geschichte so erhalten bleibt." Druckfrische Exemplare von Teil 2 der Geraer Sagen signierte Comic-Zeichner Felix Hentschel. Für ihre Schüler kaufte sie sofort die Weidaer Deutsch- und Geschichtslehrerin Kerstin Hartenstein.
Im Museum für Naturkunde durfte man Krabbeltiere und Pflanzen durchs Mikroskop betrachten, in die funkelnde Welt der Edelsteine eintauchen, bei der Mineralientombola einen Stein gewinnen und sich auf die Spuren eines weiteren berühmten Geraers begeben, des Physikers Otto Lummer. Dessen bahnbrechende Versuche lockten Neugierige ins Naturalienkabinett des Naturkundemuseums. Dort demonstrierte Prof. Jürgen Müller von der Berufsakademie Verblüffendes mit Licht und Strahlen und holte sich Publikumsgehilfen.
Jeder Museumsgast hat am Sonnabend Erstaunliches erlebt, mancher seine erste Bekanntschaft mit Dix geschlossen. Man muss ja nicht erst auf die 14. Museumsnacht warten.
Elke Lier / 04.09.11 / OTZ





























































